Scoopcamp 2009 und die elektronischen Reporter
Gestern fand es statt, das Scoopcamp 2009 hatte es sich auf die Fahne geschrieben, klassische Medienvertreter mit den Köpfen aus den neuen Medien in einen Ring zu werfen um zu schauen was passiert. Vorab gesagt eine nette Veranstaltung in schöner Atmosphäre. Meine Präsentation habe ich online gestellt. Aber der Reihe nach…
Das Scoopcamp war mit über 200 Köpfen aus der Medienwelt gut besetzt, die Keynotespeaker Wolfgang Büchner, Adrian Holovaty und Ulrich Hegge bestritten den ersten Teil des Tages im Stil einer klassischen Konferenz mit einleitenden Vorträgen. Holovaty etwa war fantastisch, er zeigte anhand seines Projektes http://www.everyblock.com/ wie Nachbarschaftsjournalismus mit smarter Technologie aussehen kann. Ein unterhaltsamer Vortrag nach dem man die Veranstaltung theoretisch hätte beenden können, es wurde ja alles gesagt und vor allem gezeigt. Toll!
Die Mischung der Besucher hätte für meinen Geschmack etwas nerdiger ausfallen können, was wohl auf die hier beschriebene Problematik mit dem Eintrittspreis für die Sause zurückzuführen ist. Das Ungleichgewicht aus Sakkos zu Baggypants wurde jedoch von der Offenheit der Anwesenden wieder ausgeglichen. Mein Eindruck war dass jeder der Anwesenden bereit war, sich neuen Themen zu öffnen.
Im zweiten Teil wurden dann die Workshops vorgestellt. Leider fanden alle von Referenten vorgestellten Themen zeitgleich statt, so dass ich ehrlich gesagt etwas Bammel hatte, dass ich mit meinem Mitstreiter Marcus Schwarze von der HAZ vor lichten Reihen philosophiere. Wir hatten zusammen den Track “Auf der Jagd nach Relevanz, effektives Twitter Monitoring – Wir sind Amazonas! Arbeiten mit Streams von Twitter und Co.” angeboten.
Die Sorge war erfreulicherweise unbegründet, denn wir hatten volles Haus, spielten vor vollen Rängen. Klasse fand ich, dass diese mit vielen Nicht-Twitterusern besetzt waren, die sehr interessiert an dem Medium waren. Von der klassischen Antihaltung war nichts zu spüren, die Infos wurden gierig aufgesogen und Fragen gestellt.
Mein Part des Tracks beschäftigte sich mit Twitter Monitoring. Meiner Meinung nach essentiell, denn der schnellste Medienkanal nützt mir gar nichts wenn ich nicht in der Lage bin diesen schnell und smart nach den relevanten Infos zu durchleuchten. Hier habe ich einige Tools vorgestellt die dabei helfen und die gängigen Regeln für die Gewichtung von Tweets (etwa den Retweet oder das favorisieren) erläutert. Meine Präsentation hier online:
Im zweiten Teil berichtete Marcus von den Erfahrungen der HAZ mit dem Medium Twitter. Die HAZ hat sich relativ früh einen Twitter Account zugelegt und experimentiert seit dem unter http://twitter.com/haz mit den Lesern. Interessant mal hinter die Kulissen zu blicken, interessanterweise berichtete auch er von den klassischen, internen Grabenkämpfen, ob nun Twitter oder Social Media wichtig sei für das Produkt.
Abschließend gabs das Fazit der einzelnen Workshops auf dem Podium. Einige hatten die Beschreibung “Workshop” scheinbar ernst genommen und präsentierten Prototypen einer von Usern gefüllten Zeitung online.
Ich tue mich schwer damit, Luftschlösser aufzubauen. Auch habe ich nicht ganz verstanden, warum etablierte Medien dazu neigen das Rad neu erfinden zu wollen, um einen Fuß in die neue Medienwelt zu bekommen. Dabei bieten die derzeitigen Sozialen Netzwerke wie Twitter und Facebook doch die idealen (und vor allem akzeptierten) Möglichkeiten, an die Nachrichten und Meinungen der Leser und User zu kommen! Die Welt wartet nicht auf eine Webseite die wie eine Zeitung aussieht, das ist eine reine Denke der Verlage. Die Welt wartet auf technisch clever umgesetzte Möglichkeiten, die Informationen aus dem Web lokal zu aggregiert. Was passiert in meiner Straße? Wer hat dort Fotos gemacht? Was twittern Leute die bei mir um die Ecke wohnen? Adrian Holovaty hat das mit Everyblock.com eingangs schon eindrucksvoll gezeigt.
Die klassischen Medien haben den Weg geebnet und haben die Spielregeln für Nachrichten gemacht. Nun sind die Menschen dran, in Zeiten wo sich jeder der eigene rasende Reporter ist, kann sich niemand mehr eine Vorreiterrolle erlauben. Die Aufgabe der etablierten Medien ist jetzt:
- Akquirieren der klugen Köpfe und Macher
- die Rahmenbedingungen und das Know How der Nachrichtenwelt zur Verfügung stellen
- zusammen mit den Köpfen und Machern die Nachrichtenwelt ins Web heben
Und vor allem eines, Freiraum schaffen damit frische Ideen auch wirken und werden können!
Danke an die Organisatoren des Scoopcamps, Hamburg@Work die dpa sowie die Agentur Faktor 3, das war eine runde Sache. Ich freue mich auf das Scoopcamp10. Hier das Feedback zum Scoopcamp (http://www.scoopcamp.de/) auf Twitter : http://search.twitter.com/
Hier gibt es ein Set Fotos bei Facebook auf dem sich wer will gern markieren kann: http://www.facebook.com/. Die Fotos alternativ bei Flickr: http://www.flickr.com/
Michael Hoss hat in seinem Blog ebenfalls sein Fazit zum Scoopcamp gepostet: http://crashoverwrite.myexp.de/2009/09/17/scoop-camp-kein-camping/















infolust (Martin)
Februar 9th, 2010, 14:43 #RT:Lese Scoopcamp 2009 und die elektronischen Reporter von http://bit.ly/ESzFY
HoQECS (marioholze)
Februar 9th, 2010, 14:43 #Lese Scoopcamp 2009 und die elektronischen Reporter http://tinyurl.com/n42477 von @svenwiesner
Markus Stein
September 18th, 2009, 10:38 #Hi Sven,
schön zusammengefasst, hat Spaß gemacht deinen Text zu lesen und über die Bilder einen kleinen Eindruck zu bekommen.
Weiter so!
Gruß
Markus
Sven Wiesner
September 18th, 2009, 14:14 #Danke Markus!
Update:
Fazit Scoopcamp und Handout
http://beyondbars.wordpress.com/2009/09/18/fazit-scoopcamp-und-handout/
Sven Wiesner
September 18th, 2009, 14:47 #Update:
Scoopcamp – Journalismus im Auswanderermuseum
http://creativeglasses.blogspot.com/2009/09/scoopcamp-journalismus-im.html
Markus Leiter
September 18th, 2009, 18:00 #Vielen Dank fürs Uploaden der Twitter-Monitoring-Slideshows und die Zusammenfassung! Ich hätte so gerne bei Euch vorbeigeschaut, aber leider wars in Praxis dann doch unmöglich zwischen den Workshops hin und her zu switchen: Beim einen verliert man den Faden, beim anderen hat schon zu viel versäumt. Das hätte man anders organisieren müssen.
Ich war von Holovatys Vortrag auch hin und weg, und hab auf meinem Blog unter dem Titel “Wird hyperlokal zu hyperglobal? Versuch über Adrian Holovaty” versucht zu ergründen, wie es denn wäre, für meinen eigenen (inter- und transnationalen) journalistischen Arbeitsbereich Holovatys Prinzipien zu übertragen und bin da doch auch auf Probleme gestoßen. Aber die Präsentation Holovatys war einfach genial! Und Eure Infos über die Möglichkeiten von Twitter sind es auch!