7 Fakten über Local Based Communitys
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Das Location Based Social Network Foursquare legte einen beachtlichen Start hin. Der Dienst hat nach dem Start 2009 mittlerweile rund 500.000 Nutzer weltweit. Nun wurde ein Deal mit MTV und VH1 geschlossen, der es ermöglichen soll, im “Celebrity Mode” Stars zu folgen. Dennoch läuft die Expansion in Deutschland schleppend. Vielleicht fehlen konkrete Anreize? Sieben erklärende Fakten über die sogenannten Location Based Services (kurz LBS).
1. Warum sind Local Based Networks wichtig?Netzwerke die es Ihren Usern erlauben, Ihren realen Standort online mit Freunden zu teilen, waren einer der ganz großen Trends der diesjährigen SXSW Musik und Medien Konferenz in Austin Texas. Die Konferenz gilt als Pulsgeber der internationalen Social Web Szene. Auch hierzulande geht das Thema rund um Location Based Services und die (reale) Belohnung von virtuellen Tätigkeiten mächtig nach vorn. Grund genug sich einmal den Marktführer Foursquare und seine Mitstreiter etwas genauer anzuschauen! 2. Four-was bitte?Foursquare ist ein sogenanntes Location Based Social Network. Die Nutzer verraten hier über Ihr Handy wo sie sich gerade aufhalten, und checken (“Check-In”) sich in Restaurants, Shops und anderen öffentlichen Orten ein. Diese Check-Ins werden neben Foursquare auf Wunsch auch auf Twitter oder Facebook den dortigen Freunden angezeigt. Fleißiges einchecken wird mit Badges belohnt. Das sind kleine Abzeichen, die das eigene Foursquare-Profil schmücken. Wer sich an einem Ort öfter als alle anderen User eincheckt wird der “Mayor” (“Bürgermeister”) des Ortes. Bis er vom Thron gestoßen wird.
Nach dem mehr oder weniger selben Muster funktionieren alle Local Based Services. Die Nutzer checken sich per GPS-Standortbestimmung über Ihr Smartphone an einem Ort ein. Sie teilen so Ihren Freunden mit, wo sie sich gerade aufhalten und erhalten dafür zusätzlich virtuelle Belohnungen als Anreiz. 3. Welche Dienste gibt es?Gowalla Gegründet 2007, gestartet 2009, aktuell ca 150.000 aktive User (Quelle). Ursprünglich war die App nur auf dem iPhone verfügbar. Apps für weitere Smartphone-Betriebssysteme werden derzeit nachgeliefert. Teilweise jedoch mit eingeschränkten Funktionen. Gowalla ist grafisch liebevolle gestaltet und hat einen höheren Spielefaktor als Foursquare, das dagegen eher nüchtern daherkommt. So gibt es bei Gowalla etwa die Möglichkeit “Trips” anzulegen. Also zu Routen verbundene Orte, die andere User erkunden können. Brightkite Gegründet 2005, aktuell ca 2 Millionen Nutzer weltweit (Quelle). Funktional unterscheidet sich Brightkite nicht sonderlich von den anderen Netzwerken. Jedoch können User zusätzlich zum eigenen Standort auch mit Geotags versehene Fotos hochladen. Checkins können mit mehr Informationen versehen werden und als eine Art Microblog geführt werden. Brightkite legt seinen Fokus verstärkt auf regionale Benefits für seine User, und weist auf einer Landingpage auf die Möglichkeit für “Local Promotions” für Unternehmen hin. Auch Werbeformate werden hier weitaus aggressiver verkauft, siehe http://brightkite.com/pages/bk_advertise.html. Interessant ist die neue App Check.In die ebenfalls aus dem Hause Brightkite stammt und das gleichzeitige abgleichen mehrerer Dienste erlaubt. So kann sich ein User beispielsweise zeitgleich bei Foursquare und Gowalla einchecken. Der Dienst ist derzeit closed Beta, ein erstes Demovideo ist hier online. Google Latitude Der Google Dienst im Bereich Local Based Services ist eine 2007 gestartete und in Google Maps for mobile eingebettete Funktion (“Mein Standort”). Hier dreht es sich bisher um die reine Standortbestimmung. Nutzer können per Freigabe in Google Maps Ihren Standort Freunden mitteilen. Interessant: Foursquare Mitgründer Dennis Crowley hat bereits 2000 den Dienst Namens “Dodgeball” entwickelt. Dieser wurde 2005 von Google gekauft und ging 2009 in dem hauseigenen Dienst Google Latitude auf. Natürlich gibt es noch unzählige weitere Dienste die auf den Markt drängen. Im Blog http://bdnooz.com, der sich mit Location Based Services befasst, sind 60 Dienste mit einer kurzen Erklärung gelistet: Location Based Social Networks Links 4. Wie groß ist groß?“Erfolgreich” ist speziell bei Web 2.0 Diensten ja immer relativ. Location Based Networks wie Foursquare sind bei aktiven Usern im Social Web Dunstkreis längst angekommen und werden rege genutzt. Speziell die Weiterleitung der Check-Ins nach Twitter und Facebook machen den Dienst als “Ich bin hier!”-Melder beliebt. Zudem sind Foursquare-Apps für nahezu jedes Smartphone von iPhone bis Android und Blackberry verfügbar und machen den Check-In extrem einfach.
Eigenen Angaben zufolge hat Foursquare nach dem Start in 2009 schon Anfang 2010 die 500.000 Nutzergrenze geknackt (Quelle). Weltweit. Zum Vergleich, Twitter (Start 2006) hat allein in Deutschland derzeit ca 250.000 Nutzer (Quelle). Das vergleichbare Location Social Network Qype hat seit dem Start Mitte 2005 über 10.000.000 User aufgebaut (Quelle). Der Start ist jedoch beachtlich. Weltweit wurden bisher 1,4 Millionen Orte (“Venues”) von Nutzern angelegt. 15,5 Millionen Check-Ins wurden bisher gezählt und 1 Million Badges verteilt. Greifbarer wird die Größe, wenn man sich eine Stadt auf dem Mashup http://www.fourwhere.com heraussucht, und sich die dortigen Check-Ins von Usern anzeigen lässt. Der Screenshot unten zeigt allein die angelegten Orte im Stadtteil Schanze in Hamburg St Pauli. Ziemlich imposant wie ich finde.
5. Anreize für die UserDie Idee ist einfach wie genial. Über einen Check-In beispielsweise in einer Bar zeige ich meinen Freunden wo ich mich gerade aufhalte. Wenn man sich nicht dort trifft stellt sich wenigstens der “Oh, da bin ich auch oft”-Effekt ein. User können Orten Tips hinzufügen, etwa wann die Happyhour einer Bar stattfindet. Die Checkins werden mit virtuellen Abzeichen und manchmal sogar mit dem Mayor-Status belohnt. Neben der virtuellen Belohnung gehen mittlerweile einige Unternehmen dazu über, das einchecken mit ganz weltlichen Goodies zu belohnen. Etwa Freigetränke in Bars oder einen Rabatt auf die zu zahlende Rechnung. Das freut die Nutzer, erhöht den Anreiz sich einzuchecken und ist so ganz nebenbei virales Empfehlungsmarketing für die Unternehmen. Auch deutsche Firmen tasten sich an diese Form der Werbung heran. Vodafone etwa hat kürzlich eine kleine Foursquare-Aktion durchgeführt. Die Mayor von fünf Flagshipstores wurden mit Smartphones beglückt.
In einer weiteren Aktion wurden in Zusammenarbeit mit Pepsi für jeden Check-In von Usern in New York 4 Cents für die Charityorganisation “CampInteractive” gespendet. Im Gegenzug wurde das Leaderboard der Stadt New York mit dem Pepsi-Logo gebrandet.
6. Wie geht’s weiter?Wirklich kreative Anwendungsfälle für Location Based Services wie Foursquare fehlen derzeit leider noch genauso, wie echte Anreize für User. Außer ein paar grafischer Badges und der Aussicht auf den virtuellen Mayor-Status eines Ortes. Dieser bringt in der wirklichen Welt de facto leider (noch) nicht wirklich viel außer ein paar Bytes Ruhm. Ich selbst bin Mayor in meinem Lieblingsrestaurant und habe den Jungs Letztens davon erzählt. Das Lokal twittert seinen Mittagstisch und ist bei Myspace, im Bereich Social Media also nicht ganz unbeleckt. Leider konnte ich den Betreibern keinen triftigen Grund nennen, ein spezielles Angebot für Foursquarenutzer einzurichten. Für Unternehmer fehlt es einfach noch an griffigen Argumenten. Foursquare hat dies erkannt und mittlerweile eine Unterseite eingerichtet, die sich an Unternehmen richtet. Dort bieten Sie Unternehmen jedoch außer dem Modell “Freigetränken für Einchecker” auch keine wirklich kreativen Ansätze. Immerhin werden Orte, die spezielle Foursquare-Offers anbieten, mittlerweile in der iPhone App und auch auf der Business-Infopage gelistet. Ich habe dort übrigens ganze sieben deutsche Unternehmen gezählt, die Special Offers anbieten. Zukünftig sind Statistik-Tools für Unternehmen geplant, mit deren Hilfe das Eincheckverhalten der Nutzer genauer nachvollziehbar werden soll.
Interessant: Foursquare plant eine Art Stalkingfunktion für Stars. Laut der Social Media Newsplattform Mashable soll es nach einem Deal mit MTV und VH1 bald möglich sein, Stars bei Foursquare zu folgen. Diese werden sich natürlich nicht beim Italiener um die Ecke einchecken, sondern eher bei offiziellen Veranstaltungen, um ungewollte Fanaufläufe zu verhindern. Den Stars kann man dann nicht wie bei Foursquare üblich als “Freunde” hinzufügen, sondern man folgt (“follow”) Ihren Updates ähnlich wie bei Twitter. Den Anfang macht DJ Pauli D, Kunstfigur aus der US Serie “Jersey Shore“. Eine interessante Umfrage unter seinen Usern hat Mashable auf seiner Facebook Fanpage gestartet: “How much do you think this will help Foursquare move into the mainstream?” How much do you think this will help Foursquare move into the mainstream? 7. Fazit:Anhand der rasant wachsenden Nutzerschaft von Location Based Social Networks ist zweifelsfrei zu sehen, dass die Nachfrage und vor allem die Bereitschaft der Nutzer da ist, Orte in der realen Welt virtuell zu taggen und auch den eigenen Standort mitzuteilen. Was bisher fehlt sind reale Anreize, die digitalen Tätigkeiten zu belohnen. Dabei liegt die Lösung auf der Hand. Würden User für Ihr einchecken in Bars und Restaurants und dem damit verbundenen, viralen Empfehlungsmarketing auch real mit echten Kracherangeboten belohnt werden, wäre das ein großer Anreiz auch für Nicht-Nerds diese Tools zu nutzen Es scheint fast als würden da die Zahnräder von ambitioniertem Startup und Unternehmen noch nicht so richtig zusammen fassen. Kommt die Alternative aus deutschen Landen? Unter der URL http://www.friendticker.com/ (Twitter: http://twitter.com/friendticker ) startet gerade das Berliner Startup Friendticker die Betaversion eines LB Social Networks, dass User für das einchecken auch real belohnen möchte. Wer besonders aktiv ist sammelt virtuelle Punkte, die er offline eintauschen können soll. Siehe auch: Ähnliche Artikel im Blog:
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Pingback: Shooting mit Interview: Sven Wiesner | Der Stilpirat
Sehr interessanter Post. Ich habe mir gerade vor ein paar Tagen Google Latitude angesehen, aber noch nicht so richtig erkannt, was man mit solchen Services alles machen kann.
Nicht zuletzt wegen Deines Artikels sind mir da jetzt einige Schleier vor den Augen verschwunden. Das ganze Thema hat meiner Meinung nach ein riesiges Potential, nicht nur für die Gastronomen und Betreiber anderer, angeschlossener Lacations, sondern durchaus auch für Stadtentwickler, Soziologen und viele mehr.