Blogger Relations: Robert Basic startet Buzzriders

Robert Basic startet freudig erregt sein neues Projekt www.buzzriders.com. Die Ziele nach dem Blogverkauf 2009 klangen interessant, eine Plattform zu schaffen die lokalen Bürgerjournalismus fördert. Das Projekt dümpelte unter der Mitwirkung von zahlreichen ehrenamtlichen Begleitern von da ab vor sich hin, ich selbst verlor es relativ schnell aus den Augen.

Jetzt startet Basic, der wohl wie Niemand sonst in Deutschland die Bezeichnung “A-Blogger” prägte und lange Zeit als schillernde Web 2.0 Figur durch die Szene schritt, das Projekt unter geänderten Zielvorgaben neu. Es geht um Buzzthemen aus den Bereichen Zukunftstechnologien, Kommunikation, Verkehr, Gesundheit und Militär (wenn ich das richtig verstanden habe).

Über ein Formular können sich Blogger (oder allgemein Leute mit Reichweite im Netz) in eine Datenbank eintragen. Basic kündigt an, Freikarten für Events und kostenlose Testprodukte von Unternehmen zu vermitteln, über die dann geschrieben werden soll.

Im Social Web frotzelt es derweil mächtig, Buzzriders sei derzeit praktisch nur ein WordPress Blog mit deaktivierter Kommentarfunktion. Könnte man meiner Meinung nach aber durchgehen lassen, schließlich kommt es auf den Inhalt an. Dass auch Konzepte mit mieser Oberfläche was werden können wissen wir ja nicht erst seit MySpace. Ach und dank einer Meldung der dpa schreiben derzeit auch alle wichtigen Onlinemedien daraus ab.

Wenn man zwischen den Zeilen liest wird relativ klar, dass Buzzriders sich taktisch klug als Gatekeeper zwischen Menschen mit Onlinereichweite und Unternehmen platzieren möchte. Bloggerrelations, Influencerschnitstelle, Draht zu potentiellen Markenbotschaftern. Dass die Marken da derzeit wahnsinniges Interessen dran haben, das merkt Jeder der eine blogähnliche Webseite im Netz hat, die zu bestimmten Themen von Agenturen via Google gefunden werden kann.

via http://theantisocialmedia.com/anti-social-media/6-ways-to-avoid-blogger-outreach-failure/

Autoblogger, Fashionblogger, Genussblogger, Fitnessblogger, Technikblogger, Windelblogger…derzeit wird mehr als jemals zuvor alles angemailt und mit kostenlosen Produktproben zugeballert, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Dabei  verzichtet man weitestgehend auf eine quantitative (ist überhaupt Reichweite vorhanden?) oder gar qualitative Überprüfung des Blogs (Messgrößen für Qualität in Blogs schienen noch weitehend unbekannt).  Hauptsache es wird schön gemenschelt.

Ich selbst war schon bei diversen Markenbotschafter-Events großer Firmen dabei und freue mich natürlich auch regelmäßig über kostenfreie Gadgets. Jedoch nervt es mich zunehmend, wie erschreckend inhaltslos die Zusammenarbeit angegangen wird. Statt der Chance, eine langfristige Bindung zum Blogger aufzubauen, und über die potentiell unverstellte Sicht mal einen anderen Blick auf die eigenen Produkte zu bekommen, reduziert es sich doch meist auf ein “schreib über das Produkt, gern auch mit Link”. Gähn.

Was hat das nun mit Buzzriders zu tun: Ich denke wir sollten den Start einer weiteren Vermittlungsbörse für Pressereisen und Produktproben* zum Anlass nehmen, um mal zu überprüfen wie zeitgemäß dieses System noch ist. Plus, wäre ich Marketingmensch in einem Unternehmen, so hätte ich doch ein weit größeres Interesse daran, die für mich wichtigen Online-Influencer selbst auszusuchen, kennenzulernen und eine langfristige Beziehung zu ihnen aufzubauen?

Es ist jetzt 6 Uhr morgens und vor mir stehen vier Events auf der Social Media Week. Mit Sicherheit werde ich mich dem Thema noch mal mit mehr Zeit widmen. So long…

*natürlich wissen wir alle nicht was Robert Basic da noch weiter ausheckt und natürlich bleibt es zu hoffen dass er – vor allem bei seinem Background – das Thema anders angeht als überforderte PR-Agentur-Praktis!

Ein paar Links:

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8 Comments

  1. Hi Sven,

    ich gebe allem neuen eine Chance. Da ich kein Blogger, sondern PR-Heini bin, habe ich gestern sofort die Initiative ergriffen und Buzzriders für meinen Kunden Sonos ausprobiert.
    http://www.buzzriders.com/2012/02/erste-produkttest-runde-laeuft/

    Die Kommunikation mit Robert lief per Twitter und dann per Mail sehr unkompliziert. Robert fungiert bisher nicht als Gatekeeper sondern als Enabler. Er stellte den Kontakt zwischen den Testern und mir her, mit denen ich seitdem direkten Kontakt habe. Die Tester werden ihre Berichte auf eigenen Blogs posten. Robert wird alle Ergebnisse auf Buzzriders gebündelt anzeigen.

    Der Ansatz ist dabei sicherlich nicht revolutionärt (muss immer alles revolutionär sein?) Er ist vielmehr einfach praktisch. Durch Buzzriders komme ich in Kontakt mit Menschen, die Interesse an meinen Produkten haben und die nicht aus den Ecken Technikblogger, Gadgetblogger, Lifestyleblogger kommen.

    Was Robert hier macht, findet in Foren bereits schon länger statt (habe für Samsung bereits selbiges Prinzip bei android-hilfe.de und news4mobiles.de erlebt).
    Buzzriders macht den Vorgang nur transparent. Außerdem macht Buzzriders Unternehmen auf Blogger aufmerksam, die dort nicht zwangsläufig auf dem Radar sind. Und vor allem macht Buzzriders eins: Es verschafft Bloggern Reichweite und Sichtbarkeit. Auf den ersten Blick also win-win.

    Denkbar, dass sich etablierte Blogger hier kritisch äußern – denke aber, dass der Kuchen wie von dir sehr richtig beschrieben aktuell groß genug für alle ist.

    Ich bin sehr gespannt auf die Testergebnisse und denke man sollte immer erst ausprobieren, bevor man urteilt. Ob awesome oder mullu mullu – Gerne teile ich im Nachgang meine Erfahrungen.

  2. Moin Timo, als PR-Heini nutzt Du natürlich den Buzz zum Start für Deinen Kunden, löblich! ;-) Wie Du richtig sagst, der Ansatz ist ziemlich unrevolutionär, ich traue Dir zu dass Du auch ohne einer Enabler-Plattform die passenden Blogger für eine gute Aktion zusammen bekommst, warum also den Umweg?

  3. Sven,

    finde Deine Einsichten spannend, was Deine Markenreisen angeht, die man gerne als Reisegelegenheit zwar mitnimmt aber letztlich merkt, dass die eigene Vorstellung nicht mit der Unternehmensrealität matcht. Der beste Weg daraus ist, darüber mit denen zu sprechen, direkt vor Ort, unmittelbar danach. Habe damit stets gute Erfahrungen gesammelt. Sie hören zu und lernen ebenso wie “wir”.

    Und es geht langsam, aber wir sind erwachsen genug, kindliche Ungeduld abgelegt zu haben, um auf schnellere Ergebnisse zu hoffen wie auch den Wert einer direkten Kommunikation im Miteinander zu fördern . Ich bin demnach gespannt, was Du konkret an Vorstellungen hast. Stichworte wie Nachhaltigkeit im Kontakt hast Du schon genannt, ist aber imho schon längst Realität, auch über die Brückengruppen in FB zwischen Hersteller und Blogger/Presse. Und diese Vernetzung aber auch Dauerhaftigkeit im Dialog wird immer ausgeprägter.

    Zu meinem Buzzriders-Konzept habe ich an anderen Stellen genug geschrieben, daher nur short. Im Zentrum steht das Austauschen über moderne Technologien, der publizistische Ansatz, es erlebhaft zu vermitteln, auch und vor allen Dingen verteilt im Netz, nicht auf Buzzriders allein, das Zentrale macht in heutigen Zeiten keinen Sinn mehr. Das Publizieren macht mich aus und ist meine Triebfeder. Zum Erleben gehören auch mögliche das Anfassen von Technik (“deine” Produktproben, wie Du es nennst) und meine Weitergabe von Kontakten zu Kongressen und Events. Um den dezentralen Publishing-Ansatz nicht nur zu reden, sondern zu leben. Ich finde, das ist Musik, die harmonisch ist, einzelne Noten finden ich – aber so denke ich nun einmal – ziemlich uninteressant ohne das Gesamtwerk zu sehen.

    Hab Spaß auf den [ich mag den Quatsch-Namen nicht]-Events

  4. Moin Robert, Geduld ist wirklich nicht meins. Konkret würde es mich freuen, wenn über Buzzriders mehr passiert als reiner Austausch von Technikkrempel gegen Blogpostings.

    Wie wunderbar wäre es etwa, wenn sich ein Unternehmen mal im Rahmen eines “Produktverbesserungs”-Camp den konkreten Vorschlägen von Nutzern (ich meine nicht nur Bloggern) stellen würde. Und wie wundervoller wäre es, wenn das Unternehmen die erarbeiteten Features danach auch noch umsetzten würde?!

    Beispiel? Ich bin T-Entertain Kunde, das Produkt IP-TV ist super geil. Problem: Das GUI ist der letzte Rotz und an vielen Stellen unbenutzbar. Warum nicht mal eine Schaar Usability-Experten drauf jagen und schauen was dabei raus kommt?

    DAS wäre für mich ein innovatives Beispiel für gecrowdfundetes Expertenwissen von Außen…

  5. Geduld ist leider eine Tugend :) Was Du erwähnst geht voll in meine Denke rein (Du sagst wunderbar, dass es nicht nur um Blogger geht = full ack… ), Kunden methodisch mit dem Unternehmen am Produkt zusammenarbeiten lassen. Hier fließt aber noch ein ganzer Amazonas an Wasser den Test-Canyon herunter, da bis dato nach wie vor im digitalen Bereich sehr viel ausprobiert wird (es muss ja auch nach oben und unten skalieren können, so dass KMUs ebenso wie Großunternehmen ebenso wie die Kunden damit klar kommen).

  6. (und wir sprechen hierbei von Consumer Goods, im b2b Segment ticken die Uhren nach anderen Regeln, in Branchen ebenso wie in anderen Ländern.. irre komplex das Thema Coworking)

  7. Pingback: Social Media Roundup (KW 7) | larsbudde.de

  8. Pingback: Buzzriders. War nie Rider und hat auch kein Potenzial für Twix. | Ich sag es Dir. In 350 Worten.

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