
Vor einigen Tagen kam mir der Gedanke dass ich dringend mal Urlaub brauche. Warum das also nicht gleich verbinden mit einer selbstauferlegten Online-Diät? Sieben Tage ohne Internet. Meine Offline-Woche. Wieso, weshalb und warum in diesem Blogbeitrag.
Die vergangenen Monate waren extrem spannend für mich, im Oktober vergangenen Jahres habe ich mich dazu entschlossen, mich ganz dem Thema Social Media zu widmen. Als Freiberufler per Köpper ins Haifischbecken.
Seitdem habe ich viel gelernt. Etwa dass man einige Kunden vor sich selbst schützen muss (“Wir brauchen eine Facebook-App! Und auch Twitter! Und nen Blog auch noch!”). Dass von jedem Social-Media-Alleinkämpfer auch ein gewisses Rampensau-Image erwartete wird und dass man, wenn man nicht aufpasst, vor lauter Kaffeetrink-Dates nicht zum arbeiten kommt. Dazwischen lagen spannende Projekte, tolle Menschen ohne die es soweit gar nicht gekommen wäre und viele Agenturen, die glücklicherweise so wahnsinnig waren mit mir zu arbeiten.
Warum nun also sieben Tage offline, hat der Typ jetzt genug vom Internetz? Im Gegenteil! Ich liebe meine Arbeit – und das sage ich nicht ohne glänzende Augen zu bekommen – als Social Media Berater. Auch wenn die Berufsbezeichnung ausgedacht und mitunter im gleichen Atemzug mit “Heizdeckenverkäufer” genannt wird.
Soziale Medien sind seit vielen Jahren meine große Leidenschaft und es ist mir jedes mal ein Fest, Menschen mit dem Thema zu begeistern und anzuzünden. Die Berufung und die Leidenschaft bringen es mit sich, dass Du als engagierter Internet-Typ den Tag im Netz mit Netzthemen verbringst. Ich verbinde praktisch jede Minute meiner Zeit mit Social Media. Vom allmorgendlichen abhecheln von Facebook, Twitter und E-Mail bis zum abendlichen einchecken in Restaurants und Clubs. Dass mein Freundeskreis das überhaupt duldet ist mir ein Rätsel.
Kurzum, was ich zuvor eher als private Leidenschaft betrieben habe ist nun mein Tagesgeschäft. Themen die sich nicht in irgendeiner Form auch online verwursten lassen treten immer mehr in den Hintergrund. Am Ende steht woran ich gar nicht denken mag. Betriebsblindheit!
Damit dies nicht passiert werde ich mich ab kommenden Sonntag den 07.03.2010 um 23:59:59 Uhr für sieben Tage von allen Online-Medien abnabeln. Kein Facebook, kein Twitter, nix Email und schon gar kein Foursquare (@UARRR wenn Du mir in der Zeit meinen Major-Status in der Sofabar klaust dann setzt es was!).
Ich erhoffen mir von der Aktion eine Art Reset. Den Zähler zurückstellen. Einen Schritt zurück machen und durchatmen. Um danach wieder voll durchstarten zu können.
So eine Aktion will vorbereitet sein. Wie vor einer Diät etwa nicht selten ein Vorhängeschloß vor dem Kühlschrank angebracht wird und die Kalorienbomben das Haus verlassen müssen werde ich einige Vorkehrungen treffen, um mich vor mir selbst zu schützen. Dazu zählt etwa, dass ich aus meinen Notebooks den WLAN Treiber deinstallieren werde. Auf meinem G1 wird die Android App APNdroid installiert, die den Datenstrom unterbricht.
Verboten ist:Jeglicher Datenaustausch über das Internet.
Erlaubt ist: Telefonate, SMS und MMS von Handy zu Handy. SMS die beispielsweise Tweets bei Twitter auslösen sind somit verboten.
Start der Aktion: Sonntag 7. März 2010 23:59:59Uhr
Ende der Aktion: Sonntag 14. März 2010 23:59:59Uhr
Ich werde die sieben Tage mit Zettel und Stift dokumentieren und später hier im Blog niederschreiben.
Das Twitter-Hashtag für die Aktion lautet #ow für Offline-Woche.
Ich habe zuvor reinen Tisch gemacht und neue Projekte für den Zeitraum geblockt. Logisch, ohne Internetz kann ich nicht malochen. Für Kunden und Geschäftspartner bin ich über meine Handynummer erreichbar, eine automatische Abwesenheits-E-Mail ist eingerichtet.
Ich war mir nie sicher inwiefern das Gespenst Onlinesucht auf mich zutrifft. Ich schätze nächste Woche werde ich es erfahren. Bis Sonntag Nacht werde ich das Feedback zur Aktion auf Twitter und Facebook verfolgen. Eine kleine, private Wette habe ich auch schon laufen.
Ich bin sehr gespannt was mich erwartet, ich schätze mal die gesamte Tragweite dieser sieben Tage werden mir erst nach und nach bewusst werden.
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18 Kommentare zu diesem Beitrag
Schreib' einen!Sehr löblich.
Ich weiß, dass ich das nicht könnte. Auch wenn ich es meiner Frau schulden würde…
Comment left on 3.7.2010 by Wishu
Ich werde nichts unversucht lassen! (Aber viel Glück.) ;)
Comment left on 3.7.2010 by marcel
Echt hart. Viel Erfolg!
Comment left on 3.7.2010 by Bernhard
Ich habe mal 2 Monate Off verbracht durch den Wechsel
von T-online zu WT Glasfaser .Danach durfte ich 2 Wochen
das vepasste aufholen .
Viel Spass Dir
Comment left on 3.7.2010 by BLACKEIGHTBALL
Freue mich auch schon auf Trilliarden Emails, Twitter DMs und Facebook Nachrichten. Strg + A, Entf. :-)
Comment left on 3.7.2010 by Sven Wiesner
Moin Sven,
ich denke Pausen sind super wichtig – egal wovon. Das Marcel dir den Major-Status raubt ist Ehrensache :-) Ich arbeite derzeit wesentlich mehr offline und habe meine Produktivität seither sicher verdoppelt! Eine Woche wird zu wenig sein – aber ich vermute in der Woche wirst du merken, dass es auch gern noch etwas länger sein könnte ;-) Ich wünsche dir eine herrlich Urlaubswoche.
Comment left on 3.7.2010 by Malte
Viel Spaß mein Lieber, hatte ich auch mal zwei Wochen,
ist wie eine Fasten-Kur: am Anfang ganz leicht, dann wird es richtig
hart und wenn du den “Turkey” überschritten hast, ist es … sehr befreiend. Und mir hat es tatsächlich gezeigt, wie süchtig ich bin… ;-)
Comment left on 3.7.2010 by Christian
Wenn der Tisch voll ist schalte ich normalerweise Ablenkungen wie den Twitterclient und Skype ab. Der Druck bleibt. Verpasse ich was? Der Nachrichtenstrom fließt schließlich trotzdem weiter. Ich bin gespannt was das pauschale Abschalten auf Zeit wirkt.
Comment left on 3.7.2010 by Sven Wiesner
ach ja, auf allen kanälen große ansagen schwingen für, uuuuuhhh, internet-enthaltsamkeit. als wenn man so unentbehrlich wäre und sich die welt darum schert, daß jemand nun für eine woche die intersphäre unverseucht lässt.
danke für diese aktion, die gleichzusetzen ist mit dem hungerstreik von gandhi. ach nee, es hat ja private gründe. da frag ich mich aber, warum man es dann nicht so austrägt, wie es der name schon sagt: privat. aber mach du mal mit deinem countdown und alle warten dann so gespannt darauf, daß sich eine woche das internet auf den kopf stellt, alles zusammenbricht und die menschen schreiend durch die welt laufen, bis der heiland sich wieder bequemt, seinen rechner anzuschmeissen.
das ist so spannend wie drei kilo klinker.
kleiner tip: immer eine packung internet in einem guten versteck aufbewahren und heimlich dran naschen. macht jeder. wirklich. =)
Comment left on 3.7.2010 by dr. love
Dr. Love, die Aktion hat nichts mit meiner Person zu tun. Das könnte jeder machen der ähnlich eng mit dem Web verheiratet ist. Mich interessieren neben meinen eigenen Erfahrungen auch die Reaktionen der Anderen, meine Kanäle nutze ich um entsprechende Reaktionen einzuholen. Also keine Angst, brauchst Dich auch nicht hinter Pseudonym und Proxy verstecken, ich weiss eh wer Du bist ;-)
Comment left on 3.7.2010 by Sven Wiesner
[...] machen und durchatmen. Um danach wieder voll durchstarten zu können“, schrieb Wiesner in sein Blog. „Ich glaube, dass es hart wird“, sagte er gestern WELT KOMPAKT. Das Projekt solle ihm zeigen, [...]
Viel Spaß, Du wirst nichts verpassen und nach drei Tagen wahrscheinlich denken “was für ein Kinderkram.” ;-)
Aber wenn man nicht twittern darf, wozu dann ein Hashtag?
Comment left on 3.7.2010 by Kiki
Also den Titel “Heizdeckenverkäufer” trage ja wohl noch immer ich! ;-)
Die ersten drei Tage werden hart sein, aber danach wirst Du super entspannen. Falls Du den Schirrmacher noch nicht gelesen haben solltest: Auf jeden Fall ein gutes Buch zum Thema, auch wenn leider nicht alles stimmt.
Und sollte doch der NC10 der Grund sein: Samsung repariert und liefert innerhalb von *drei* Tagen, nicht sieben! :-)
Comment left on 3.7.2010 by Dirk
Kiki, das Hashtag ist zu dokuzwecken. Dirk, die Aktion hat seine Ursache nicht in Hardwareproblemen :-)
Comment left on 3.7.2010 by Sven Wiesner
Deine Erfahrungen schildern genau meine Erlebnisse als freiberuflicher Social Media Berater wieder… schön, dass es noch mehr “Bekloppte” gibt. ;-)
Comment left on 3.8.2010 by Marcel
Ich bin sehr gespannt auf Deinen Erfahrungsbericht – ich kann mich schon gar nicht mehr daran erinnern wann ich das letzte mal 7 Tage offline war :-)
Comment left on 3.10.2010 by Alex Stockinger
Respekt! Das Ding durchzuziehen ist garantiert nicht einfach. Nicht wegen einer möglichen Sucht, sondern vielmehr wenn man mit und im Internet arbeitet. Da gehört als auch auf existenzieller Ebene eine Menge Mut dazu. Dafür: Hut ab.
Ich habe vor Jahre mal über eine ähnliche Aktion nachgedacht: 1 Woche kein Handy.
Und neulich tatsächlich: 1 Woche kein iPhone “nur” ein normales Handy und das Internet nur vom Desktop nutzen.
Beides bisher, außer im Urlaub, nicht umgesetzt.
Freue mich auf Deinen Bericht.
Comment left on 3.11.2010 by Sebastian
[...] im letzten Blogartikel zu lesen war, habe ich einen kurzen Urlaub zum Anlass genommen, mich für eine Woche aus dem [...]