Ein paar Gedanken zu dem Thema beruflicher Alleinkämpfer. Wie viel Sinn macht auf die Dauer eine One Man Show als Freiberufler und wie geht man mit dem verschwimmen von Privatem und Beruflichem um?
PS: Das wird wahrscheinlich mein erster und längster Blogartikel ohne Bilder. Mir wäre er zu lang, ich bin gespannt wer trotzdem bis zum Ende liest und Feedback gibt.
Ich bin seit Oktober letzten Jahres als freiberuflicher Social Media Berater unterwegs. Zum Start habe ich den Apparat bewusst klitze-klein gehalten, habe lange von zuhaus aus gearbeitet. Gestartet mit null Kosten, allenfalls ein neuer Drucker musste her. Erst seit kurzem nutze ich einen Co-Working Arbeitsplatz im Karostar, die sehr günstige Miete und eine BahnCard sind jedoch weiterhin die einzigen, laufenden Geschäftsausgaben die ich habe.
Ich arbeite allein und weitgehend selbstbestimmt, so fühle ich mich am besten. Meine Arbeitsweise wird zum größten Teil aus dem Bauch gelenkt, ohne aufwändige Zeiterfassung oder strategische Überlegung, die auf die nächsten fünf Jahre zielt. Ich entscheide nach Gefühl welche Jobs passen und mit wem ich gut funktioniere, das hat in der Vergangenheit sehr gut geklappt.
Seit einigen Wochen beschäftige ich mich mit der Frage, inwieweit es weiterhin Sinn macht so intigriert zu arbeiten. Am meisten frage ich mich hierbei, wie die Wahrnehmung als unternehmerisch tätige Person dabei beeinflusst wird.
Ich trete nach Außen nie unter einem Firmennamen auf, sondern nutze meinen Klarnamen “Sven Wiesner” als Marke. Dementsprechend betreibe ich alle wichtigen Profile im Social Web unter diesem Namen. Ich habe mich irgentwann ganz bewusst dazu entschieden, denn:
Mich faszinieren interessante Menschen mit vielen Facetten, weniger verschleiernde Markennamen. Für mich zählt das Gesamtbild einer Person. Mir imponiert nichts mehr als die Lässigkeit zu sagen “Das bin nun einmal ich!”. Plus: Gerade wenn der Job so nah an einer Person hängt ist es wichtig für mich zu wissen mit wem ich es zu tun habe. Weiterhin kommt es meiner Vorliebe entgegen, mein Leben möglichst wenig vollzustellen und alles überschaubar zu halten.
Aber wird das mit wachsendem Netzwerk auch richtig verstanden? Ich nutze beispielsweise mein Facebook-Profil beruflich und privat. Zu den Bürozeiten poste ich hauptsächlich Social Media relevante Dinge, dazwischen und am Wochenende überwiegt Privates. Ich versuche auf den Kanälen ein ausgewogenes Verhältnis zu schaffen, was nicht immer leicht ist. Allein weil die Zahl meiner Postings bei Facebook und Twitter teilweise schon recht hoch ist.
Die logische Konsequenz wäre nun, das berufliche von meiner Privatperson abzuspalten, und einen zweiten Account einzurichten, etwa unter dem Namen des Blogs “WebZweiPunktNull”. Dort würden alle beruflichen Inhalte landen, auf dem privaten Konten nur noch persönliches. Schön straight. Aber auch schön langweilig wie ich finde.
Ich hab mir mal mal ein paar Menschen angeschaut, die ähnlich aufgestellt sind und deren Ausstrahlung mir sehr gefällt. Es gefällt mir, weil sie mit einer besonderen Leichtigkeit berufliches und privates zu einem sehr stimmigen Bild zusammenführen. Dies sind beispielsweise:
Malte Christensen, Grafikdesigner aus Berlin, ein sympatischer Typ und One Man Show unter:
http://twitter.com/kopfbunt , http://kopfbunt.de/, http://www.facebook.com/maltechristensen
Ibrahim Evsan ist Unternehmer an gefühlten dreitausend Baustellen und wahnsinnig gut informiert auf:
http://twitter.com/ibo, http://www.facebook.com/evsan, http://evsan.tumblr.com/
Cem Basman ist ein unheimlicher Netzwerker sowie Organisator und schreibt unter:
http://twitter.com/cemb, http://sprechblase.wordpress.com/, http://www.facebook.com/Cem.Basman
Markus Reuter ist ein sehr charismatischer Typ und sprüht Funken auf:
http://twitter.com/roitsch, http://bettertastethansorry.com/, http://www.facebook.com/markusreuter
Nico Lumma ist aus der Nerdlandschaft herausgetreten und kann es sich erlauben stets betont gelangweilt zu wirken unter:
http://www.facebook.com/NicoLumma, http://lumma.de/, http://twitter.com/nico
Nur ganz, ganz, ganz wenige Beispiele zum Thema One Man Show die zeigen wie es auch gehen kann. Für mich entscheidend: Ich kann über diesen Way of Work eher aussteuern wie ich und meine Arbeit bei potentiellen Kunden ankommt. Und dort erscheine ich lieber mit weniger Tam-Tam, aber dafür ehrlich und authentisch.
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28 Kommentare zu diesem Beitrag
Schreib' einen!Lese One Man Show http://tinyurl.com/3aj8tbw von @svenwiesner
habe dir dazu ja schon was geschrieben. finde es aber, ähnlich wie du oben schreibst interessant die personen mit denen man zutun hat/arbeitet/sich umgibt wesentlich interessanter wenn man viel über diese weiß. berufliches von privatem zu trennen geht, so finde ich, in allen möglichen branchen ohne probleme, aber grade im social media geht es darum die marke möglichst lebhaft und nah am “kunden” zu positionieren. die marke sven wiesner kommt durch die zahlreichen privaten posts wesentlich sympathischer und persönlicher rüber als “lediglich” businessrelevante news zu posten.
insofern. keep on goin…
Comment left on 5.5.2010 by moe
Wow, Seven. Ich fühle mich geehrt mit zu den aufgeführten Personen zu gehören. Ich sehe es ähnlich, wie du, mit der Präsentation im Netz. Das Gute ist, man muss sich auch nicht irgendwie verhalten oder sonstiges, sondern man “tut” einfach. Man teilt, man kommentiert, man haut auch mal n böden Spruch raus, wie im wahren Leben.
Aber eine Sache sehe ich etwas anders. Ich bin keine One-Man-Show. Klar, ich mache viele eigene Dinge aber die meisten mit anderen Leuten zusammen. Das ist für mich auch gerade das großartigste. Etwas mit anderen ins Leben rufen, immer wieder mit neuen Leuten. Dadurch lerne ich und wachse. Und der/die andere(n) auch.
Comment left on 5.5.2010 by Markus “Roitsch” Reuter
Das ist ein Thema mit dem ich mich auch immer wieder beschäftige. Ich bin definitiv »OneManShow« und hab mir auch vorgenommen es zu bleiben. Ich werde in nächster Zeit mal ausführlich auf deinen Artikel antworten – hab mich nämlich dazu entschieden es ein wenig zu splitten – kopfbunt und meine Profession als Designer gehen in 1-2 Wochen verschiedene Wege. Kopfbunt bleibt 100% kreative Spielwiese und das Business wird durch eine weitere Website erfüllt. Dazu später noch einmal mehr. Erstmal vielen Dank für deine Sichtweise – ich finde deinen SvenWiesnerCocktail sehr sympathisch und es passt.
Comment left on 5.5.2010 by Malte
Feiner Artikel. Der Spagat Privat und Beruflich zu trennen ist sicherlich nicht einfach, meiner Meinung aber auch gar nicht nötig sofern man sich an einige wichtige Spielregeln hält, die aber wahrscheinlich selbsterklärend sind, sofern man über ein gewisses Niveau verfügt.
Das Private ins Geschäftliche mit einfließen lassen ist sicherlich nicht falsch, gerade in der heutigen Zeit, in der der Großteil der Bevölkerung einen Hang zum Stalking entwickelt hat. Geschäftsleute googlen Ihre Partner und Angestellten, das gleiche in Beziehungen, man verfolgt heute seine Idole im Web, je persönlicher desto besser.
Von daher: ein ausgewogener und Bedachter Mix zwischen Privat & Business ist sicherlich genau das, was momentan am besten funktioniert. Professionell und authentisch.
Ben ist übrigens ebenfalls eine One-Man Show, allerdings nicht sympathisch sondern böse :-D
Comment left on 5.5.2010 by Benjamin Weigl
Was du schreibst ist interessant, und beim Teil “Facebook” habe ich kurz gestockt beim Reden.
FB Offensiv geschäftlich, und trotzdem im gleichem Maße auch privat? Musste ich kurz drüber nachdenken. Es kommt sicher drauf an, in welchem Bereich man arbeitet. Kommunikation – klar.
Ob es bei anderen Berufsgruppen als Alleinkämpfer “geht” oder “passt” kommt imo eher auf einen Versuch bzw. den Einzelfall an. Auf Twitter sind ja aber ohnehin überproportional viele Menschen aus Kommunikation vertreten.
Der Aspekt, den Roitsch anspricht, ergänzt aus meiner Sicht eigentlich die Devise “als Einzelperson auftreten” und steht der Bezeichnung “Einzelkämpfer” nur im ersten Moment entgegen.
Denn bei X Projekten jeweils eine “Projektidentität” zu schaffen und zu füttern, und nebenbei noch eine ganz eigene, das klingt schon intransparent.
Comment left on 5.5.2010 by Timm
@moe, sehe ich genauso wie du.
@Roitsch, klar dass man auch mal im Team arbeitet, im Kern bist Du aber als Eigenmarke unterwegs. Ich werde meistens von Agenturen dazugeholt und arbeite projektweise mit denen. Das amcht auch Sinn denn leider haben große Kunden meist noch Angst vor den jungen Wilden.
@Malte, “kopfbunt und meine Profession als Designer gehen in 1-2 Wochen verschiedene Wege”. Das klingt für mich wie “ich trenne demnächst Job und Leidenschaft”? Genau das halte ich für problematisch. Frage ist auch ob das Fans und Kunden überhaupt wahrnehmen? Dann doch lieber ein organischer Klumpen Kreatives.
@ Benjamin, jo authentisch ist Trumpf, sehe ich genauso. Grad im Social Web.
@Timm, Facebook privat und beruflich sehe ich nicht wie “Werbebotschaften mit Essens-Tweets auflockern”, sondern eher so dass sich ein stimmiges gesamtbild ergibt.
Comment left on 5.5.2010 by Sven Wiesner
@Sven Das ist eine lustige Vorstellung, aber das meinte ich nicht!
Auf Twitter sind ohnehin viele Werbetreibende und Menschen aus der Kommunikationsbranche vertreten. So ist die Verflechtung recht natürlich.
In anderen Branchen mag ein eventueller Kunde evtl. schon abspringen wenn er ein “gemischtes” FB-Profil sieht, weil er Indiskretion oÄ befürchtet.
Comment left on 5.5.2010 by Timm
Ich kann nur für mich sprechen aber ich hab das was Malte aussagen wollte etwas anders verstanden. Fakt ist doch das die Social Networks nicht nur Ihre guten Seiten haben und man deswegen sehr wohl einordnen sollte, wie man sich wo darstellt und wen man erreichen möchte.
Klar kann ich heute unglaublich authentisch bei Facebook, Twitter und Co. rüber kommen, sofern ich es mir leisten kann, denn soziale Netzwerke brauchen vor allem eins: «Zeit». Fakt ist aber das mich die Webbies als Professionell nicht weiter bringen, denn vom «Web-Fame» kann ich mir nichts kaufen.
Das Argument: «so kommt man auch an Aufträge» zählt nur bedingt, denn von 10 Anfragen kann man 8 in die Tonne treten und aus zwei wird möglicherweise einer was. Die Geschäfte, die lukrativen Verträge werden nicht im Netz abgeschlossen und Agenturen und Auftraggeber sind auch noch nicht auf dem Stand, das sich selbige erst in sozialen Netzwerken umsehen wo die Kompetenz sitzt.
Fakt ist auch das man, sofern man die Webbies bedient, zu 90% mit den falschen Leuten kommuniziert. Leute wie Malte sind Mangelware, Professionals halten sich eh größtenteils zurück, jedenfalls was die direkte Kommunikation angeht. Schon mal einen Zach Klein oder einen Rob Morris bei Twitter gesehen ? So richtig zum anfassen ? Natürlich nicht.
Ich bin auch der Meinung das man als Professioneller gewisse Dinge trennen sollte, beispielsweise sein Webbie Leben und eben die Professionelle Seite. Auf einem Fachblog erwartet man andere Gesprächspartner als in einem Weblog, in dem man Webthemen abhandelt. Auf der eigenen Seite möchte man vielleicht nicht die typischen Blogkommentare sehen, die dann eventuell auch von Kunden gelesen werden.
Ich denke je nach Orientierung ist eine klare Linie zwischen «mein Webbie Leben» und «mein Business» von nöten. Natürlich geht das jetzt total gegen dein täglich Brot Sven, und ich möchte das auch gar nicht auf alle projezieren. Nur sehe ich gerade bei Kunden von mir (Jeunes Restaurateurs D’Europe), wo gute Budgets vorhanden sind, das selbige sich nicht für soziale Netzwerke interessieren und sich Dienstleister anders aussuchen. Da kann der Tweet, den man Nachts noch schnell an die Webgemeinde schickt ganz schnell nach hinten los gehen.
Meine 2 Cent :-)
Comment left on 5.5.2010 by Benjamin Weigl
@Benjamin, ich habe andere Erfahrungen gemacht. Nämlich die dass man durch tägliche, branchenrelevante Infos, die man in die eigenen Kanäle kippt, sehr schnell einen gefühlten Expertenstatus bei den zuhörern erlangt. Wer beispielsweise immer die neusten Meldungen aus dem Bereich Werbung postet muss ein gut informierter Anbieter sein.
Der Mix mit privaten Dingen führt dann dazu, dass die Auftragsvergabe auch noch Spaß macht. Nach dem Motto “Lass uns den mal dazuholen, der passt ins Team”.
Comment left on 5.5.2010 by Sven Wiesner
Das möchte ich dir auch nicht abschlagen, die Frage ist ob man das verallgemeinern kann. Ein Webentwickler der Linkschleuder spielt oder sich «scheinbar» gut auskennt, ist noch nicht derjenige, welcher den Agenturpitch gewinnt. Auch haben es die größeren Auftraggeber lieber, wenn Sie einen schon mal live gesehen haben.
Die Frage, und das werfe ich jetzt mal unverfrohren in den Raum: «wieviel Prozent deiner Follower schätzt du, sind Leute die dich weiter bringen» und/oder «bei “wem” erlangst du Expertenstatus». Bezieh diese zwei Fragen jetzt nicht direkt auf dich; ich verallgemeinere mal.
Ich geh jetzt mal von meinen Erfahrungen aus; mehrere Jahres intensives Supporten und D!Team-Zugehörigkeit, viele Tutorials und Forenbeiträge: Die Leute die mir Feedback gegeben haben oder die offensichtlich gezeigt haben das es Ihnen gefällt, sind nicht die Leute die mich zum Experten befördern könnten. Auch hier gibt es natürlich Ausnahmen, keine Frage.
Aber: ein richtig gutes Projekt, eine große und Namhafte Firma, ja das ist schon was anderes. Ich halte es für falsch zuviel auf die SM Karte zu setzen. Vor allem wenn man doch aktuell deutlich merkt das sich viele Professionelle (solche die nicht mit SM Ihr Geld verdienen), so langsam etwas aus den Tiefen zurück ziehen.
Comment left on 5.5.2010 by Benjamin Weigl
Nachtrag: Ich bin absolut kein Social Media Gegner und mir sind die Chancen sehr wohl bewusst, nur denke ich sollte man je nach Branche mal die rosa Sonnenbrille abnehmen und sich fragen ob 8 Stunden Soziale Netzwerke soviel bringen wie ein Tag auf einer Fachmesse. Der Mix macht es, das ist klar. Trotzdem bin ich auch der Meinung man sollte etwas darauf achten verschiedene Kanäle zu betreiben: Webbies und Branchenprofessionals gleichzeitig anzusprechen halte ich für einen Spagat der mehr Zeit kostet, als das er Erfolg einspielt.
Comment left on 5.5.2010 by Benjamin Weigl
Klar, deswegen spreche ich von einem “gefühlten” Expertenstatus! Bitte alles relativ sehen und nicht in Stein meisseln!
Comment left on 5.5.2010 by Sven Wiesner
Hi Sven. Ich bin auch erst seit Kurzem Selbständig und habe mir natürlich ähnliche Gedanken zum Profil und Aussenwahrnehmung gemacht. Im letzten Jahr musste ich des Öfteren feststellen, dass man auf einmal nicht mehr so ernst genommen wird, wenn man “alleine” auftritt, wie das noch zu Agenturzeiten der Fall gewesen ist. Man hat schon schnell den Stempel Freelancer auf der Stirn. Obwohl in den meisten von uns doch mehr Unternehmerblut fliesst, als bei so manchem Agentur GF. Ausserdem wird man eh überall und ständig nach der Firma gefragt. Schlussum habe ich mich entschlossen nur noch für Agenturen als “Carlo” aufzutreten. Firmenkunden gebe dahingegen (zumindest) das Gefühl eine Agentur zu sein. Das hat mir die eine oder andere Tür sicher leichter geöffnet. Ich behaupte allerdings auch niemals, dass hinter mir eine wie auch immer große Mannschaft steht.
Die Frage ist doch auch, was der Social Media Experte Sven Wiesner macht, wenn Social Media nicht mehr In ist. Ich fürchte ja, dass es schwierig wird von dem Image wieder wegzukommen – wenn es mal sein müsste … Ich bilde mir zumindest ein, dass man unter dem Deckmantel Agentur sein Profil leichter ändern, justieren und korrigieren kann. Und das ohne mich darunter zu verstecken.
Comment left on 5.5.2010 by Carlo Monnée
@Sven; nein – mach ich nicht. Ich spreche auch viel «global/theoretisch».
@Carlo; da muss ich noch einmal einhaken, weil das Thema Agentur/Einzelperson aktuell und in den letzten Monaten eine stark geführte Gesprächsrunde in meinem Netzwerk war.
Grundsätzlich kann ich nach über 4 Jahren als Einzelkämpfer folgendes sagen: «Agenturdarstellung als Einzelperson wird dich nicht weiter bringen». Warum ich das so sage ?
Das Empfinden nicht wahrgenommen zu werden ist nichts was an dem Status Einzelkämpfer liegt, das vorab. Aus Erfahrung raus kann ich dir sagen das man es nur im ersten Moment leichter hat, wenn man sich als Agentur präsentiert. Mein Sandkasten; die Website von mir, die seit über 2 Jahren unverändert und unberührt im Netz steht, präsentiert auch noch von mir dieses Bild.
Agenturen und große Auftraggeber haben kein Problem mit kompetenten Einzelpersonen. Ich verfolge momentan sogar eher den Trend, das viele auf der Suche nach guten Einzelkämpfern sind; die Vorteile einer One-Man-Show, die Kompetenz mit sich bringt, überwiegen die klassischen Vorurteile von wegen:
«was ist wenn Sie morgen krank werden?», «verfügen Sie als Einzelperson überhaupt über so ein Umfangreiches Wissen?», «können Sie so ein Projekt denn alleine stemmen ?»
Alles Bullsh*t. Es liegt an der eigenen Kommunikation; das ganze beruht auf Erfahrung, auf nichts anderem. Es liegt nicht an der Firmendarstellung.
Das Problem, dir entgehen als Scheinfirma mehr lukrative Aufträge, als du denkst; glaub nicht das sich kompetente Unternehmen nicht informieren. Nur rufen die dich nicht an.
Das nächste Ding ist folgendes: Als «Möchtegern-Firma/Agentur» wirst du nie deine Leistungen und Kompetenz an deine Person binden können, sondern lediglich an einen Scheinnamen, der eben deine Agentur bildet. Die Leute werden niemals sagen: «Der Herr Monnée ist unser kompetenter Ansprechpartner», alles wird auf einen Fantasienamen projeziert. Das positive Branding auf eine Scheinagentur kann man meiner Meinung nach als Einzelperson gar nicht bedienen.
Das größte Problem von den meisten ist die eigene Kommunikation. Ich kann das teilweise sogar sehr gut verstehen. Für Kunden kreativ und konsequent zu sein ist leichter als sich selbst einmal von Außen zu betrachten.
Das nächste Problem ist das Bauchladenbusiness, das momentan von vielen Angeboten wird. Ja auch hier kannst du mich wieder packen; auf meiner Seite steht das nämlich auch noch so; allerdings ist das ein Dino in meiner Kommunikation, zeigt aber ganz gut auf, welche Fehler ich vor zwei Jahren noch gemacht habe.
Ganz ehrlich: Ich arbeite momentan für ein paar der besten Agenturen in Deutschland; eine Hand voll; gute Kunden bis hin zu Marktführern und folgendes kannst du jetzt annehmen oder nicht:
Niemand möchte einen Bauchladendienstleister. Jemand der angibt: Neue Medien (alles); Print (alles); Social Marketing; SEO; Fotografie; etc. pp. der hat ein Problem, denn kein guter Auftraggeber will die scheinbare Eier-legende-Woll-Milch-Sau. Spezialisierung und Grenzen sind es was aus dem guten Dienstleister einen Professional macht.
Glaub mir; trete bei Agenturen selbstsicher als «Herr Monnee» auf und nicht als Firma XYZ oder Carlo und dir werden die Probleme erspart bleiben; die ich und viele andere die letzten Jahre erlebt haben; weil wir eben auch der Meinung waren «Agentur» funktioniert besser. Das tut es nicht.
Wenn du Interesse hast; ich steh dir da gern mal in einem Skype Gespräch mit näheren Angaben zur Verfügung.
Comment left on 5.5.2010 by Benjamin Weigl
Grossartiger Text und ein sehr feines Plädoyer für die letzten “Unabhängigen”. Dein text berührt mich sehr. Manchmal weiss man auch nicht immer, ob das alles so seine Richtigkeit hat, was man selber macht. Dein Text bestärkt mich. Ich fühle mich geehrt in dieser Reihe der Namen. Einer fehlt aber jetzt: Deiner! :-)
Comment left on 5.5.2010 by Cem Basman
langweiliger Artikel.
Comment left on 5.5.2010 by Nico Lumma
Echt oder?
@Carlo, ich sehe das ähnlich wie Benjamin, empfinde Alleinkämpfer die als Agentur-Chef,-Kreativer,-Entwickler und -Hausmeister in einem auftreten als vergebene Lebensmüh.
Vielmehr sollte man sich ein starkes Netzwerk zulegen, um größere Jobs notfalls im Verbund zu wuppen. Ansonsten braucht man sich als Spezialist nicht zu scheuen auch mal “Nein” zu sagen.
Comment left on 5.5.2010 by Sven Wiesner
Ich finde den OneManShow-Gedanken faszinierend. Ich spiele seit einiger Zeit mit dem Gedanken, die Fesseln eines Angestellten Verhältnisses zu sprengen. Nicht selbst zu entscheiden, welche Kunden man bedient und nicht seinen Informationsfluss nicht selbst bestimmen zu können ist schrecklich einengend.
Dein Post zeigt mir, dass andere die OneManShow bestreiten können. Dann kann ich es vielleicht auch.
So gern man sich ja in positiven Gedanken suhlt, mich würden ja auch sehr die Nachteile interessieren. Ich bin mir sicher, dass wie jeder andere Lebensweg, auch die OneManShow ihre Tücken hat.
Comment left on 5.6.2010 by Markus
Interessante und gute Darstellung der OneManShow. Das wichtigste in dieser Welt ist doch das man dabei authentisch bleibt, im RL als auch im Web und das halte ich bei Dir für gelungen – weiter so!
Comment left on 5.6.2010 by Norbert
@Sven & Benjamin
Es ist ja nicht so, dass ich nicht an der einen oder anderen Stelle nicke, bei dem, was ihr schreibt.
Es sind aber einige Punkte klar- und herauszustellen:
Ich verlasse mich ja eben nicht darauf, dass Agenturen langfristig mein Know How benötigen und entsprechend entlohnen. Also stelle ich mich lieber neben andere Agenturen und arbeite am Aufbau eines eigenen Kundenstamms.
Bis auf wenige Kunden/Personen ist man es eben nicht gewohnt mit Einzelkämpfern zu arbeiten. Diese seit Jahrzehnten bestehenden Arbeitsweisen werden wir nicht mal so eben aufbrechen.
Mit meinem Ego/Selbstbewusstsein komme sehr gut klar. Ich mach das Ganze ja nicht erst seit gestern und ich habe in den letzten 10 Jahren bereits als Angestellter und Selbständiger gekämpft. Meine Erfahrungen alleine im letzten Jahr haben mich in dem Auftritt als Agentur tatsächlich nur bestärkt. Sicherlich muss ich an dem Profil noch arbeiten. Aber auch das ist ein Prozess, der Zeit benötigt.
Wir sind am Ende doch alle “Bauchladen”. Denn wozu benötigen wir denn unser Netzwerk? Damit wir mehr anbieten können, als wir alleine schaffen und leisten könnten. Deshalb “buche” ich nicht nur andere Freie nach Bedarf, sondern versuche frühzeitig gemeinsame Nenner zu finden um auch gemeinsam Neugeschäft anzubahnen.
Die Vorteile beim Auftritt als Agentur überwiegen für mich. So kann ich Produkte und Dienstleistungen an einen Namen koppeln und nötigenfalls sauber voneinander trennen. Ich kann mir davon abgesehen auch durchaus vorstellen zu “wachsen” und/oder weitere Firmen zu gründen. Dann hätten doch spätestens meine Angestellten und Partner ein Identitätsproblem.
Am Ende des Tages arbeiten wir alle in einem People Business. Trotzdem gibt man Unternehmungen halt einen Namen, um diese klar unterscheiden zu können. Es würde doch keiner Marmelade von Ariel kaufen oder ein Auto von der Commerzbank.
Jeder nach seiner façon…
Comment left on 5.6.2010 by Carlo Monnée
Bin mir da auch noch unsicher was nun schlauer ist.
Momentan glaube ich dass eine gewisse Trennung nicht so verkehrt ist. Nicht um den Kunden etwas vor zu machen oder seine persönliche Seite vor denen zu verstecken, sondern eher um seine Freunde mit dem Business-Geschwafel nicht zu nerven. Man muss es ja auch nicht komplett trennen, es gibt ja auch immer noch die Möglichkeit hier und da etwas rüber schwappen zu lassen.
Dann kommt ja auch noch das mit der Zielgruppe hinzu. Wen erreich ich überhaupt und sind meine Informationen für diesen Kreis relevant? Gerade wenn man viel schreibt bzw. weiterleitet kann es auch mal zu viel werden und wenn man dann nicht mehr die richtige Mischung hat, geht man bestimmten Personen auf die Nerven bzw. verlieren die Informationen an Relevanz und verwässern. Ich seh das so dass man als One-Man-Show 3 Gruppen „versorgt“ bzw. sich in 3 Arten von Netzwerken aufhält: Freunde, Kunden und Professionals. Eine strikte Trennung halte ich auch nicht für besonders sinnvoll weil sich diese Gruppen auch überschneiden, Transparenz wichtig ist und die Persönlichkeit auch im Job eine große Rolle spielt. Also sollte man eher etwas mehr der privaten Suppe in die professionelle kippen, die Freunde aber (zb.) mit den neusten Statistiken zu Social Media verschonen.
Auf der einen Seite denke ich dass wenn sich potenzielle Kunden aus 5 Posts den einen für sich relevanten raus suchen müssen, dieser auch mal übersehen werden kann und es somit besser wäre die potentiellen Kunden über einen separaten Kanal zu erreichen und dort nur relevante Artikel / Informationen zu posten. Auf der anderen Seite sehen potentielle Kunden natürlich auch irgendwo die Kompetenz wenn man immer wieder etwas Themen-spezifisches schreibt was eigentlich eher für Professionals interessant ist.
Eine Trennung würde ich auch nicht als Schein- oder Möchtegern-Firma bezeichnen nur weil man sich einen Namen für seine geschäftlichen Kanäle ausdenkt. Man kann ja trotzdem noch offensichtlich als Person mit privatem Leben dahinter stehen.
Eine einheitliche Lösung gibt’s wahrscheinlich nicht – es kommt schwer drauf an wer man ist, mit wem man zusammen arbeitet und wer die Kunden sind.
Comment left on 5.6.2010 by Dreitausend
@Carlo;
Jeder hat da sicherlich seine eigene Auslegung von dem was richtig ist oder was falsch ist. Ich habe mich die letzten Wochen mit dem ein oder anderen Kollgen, die hier auch bekannt sein dürften, etwas genauer mit dieser Thematik auseinander gesetzt.
Ich verlasse mich als Einzelperson ja auch nicht darauf das Agenturen mein Know-How buchen, bis ich alt bin; das wollte ich auch gar nicht als Kernaussage hervorheben. Vielleicht liegt es daran das ich nicht für die Agenturen arbeite; im klassischen Sinne; sondern das mir selbige Aufträge weiter leiten, die Sie selbst nicht bedienen können oder wollen; letzteres sei mal dahin gestellt. Im Großen und ganzen handelt es sich dabei auch nicht um Werbeagenturen, sondern um Kommunikationsagenturen.
Was nun nachhaltiger ist; die Agentur oder der Kunde, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Bei der Agentur hab ich zwei direkte Kontakte (Agentur & Kunde); der Kunde von mir ist auf mich fixiert und vertraut mir, was auch seine Vorteile hat.
Die von dir angesprochene Engstirnigkeit der Kunden gegenüber Einzelpersonen kann ich nicht nachvollziehen; ich erlebe täglich genau das Gegenteil. Genervte Kunden, die von Agenturen abspringen, weil oftmals allein schon die Agentur mehr Geld verglüht, als das Leistung ums Eck kommt. Große Firmen suchen sich ebenfalls lieber spezialisierte Freelancer, die die eigene Marketingabteilung unterstützen und flankieren.
Ich kann diese Zurückhaltung teilweise nicht verstehen. Was ist denn ein Freelancer ? Ist das nicht einer, der einer Passion folgt; der sein Handeln so verflucht gern tut, das er sich aufs Glatteis der Selbständigkeit begibt ? Man muss sich doch nicht dafür schämen das man alleine ist; da ist Aufklärungsarbeit und Kommunikation gefragt.
In welchem Punkt ich dir uneingeschränkt zustimme, das ist der in dem du erwähnst das das eigene Profil sich entwickeln muss. Heute bist du noch die Scheinagentur, morgen bist du der Einzelkämpfer; das entwickelt sich. Keine Frage; es geht glaube ich jedem so.
Deine Vorteile einer Agentur kann ich nun wieder gar nicht nachvollziehen. Zum einen sagst du das es als Einzelperson schwer ist und im nächsten Moment führst du an, sofern du als Einzelperson mit einem Firmennamen auftrittst, denkst du darüber nach weitere Firmen zu gründen ?! Das kann ich als Einzelperson auch; meine Dienstleistungen sauber von einander trennen ? Sicherlich, wenn man auf 5 Hochzeiten tanzt, dann ist das ein ernst zu nehmendes Thema; nur macht man das ? Kann man sich wenn man so etwas macht denn auch als Professional betrachten ? Denn ganz ehrlich; ich kenne keine 10 Freelancer die alles gut können.
«Wir sind am Ende doch alle “Bauchladen”»
Ganz klar “Nein” und noch mal “Nein”. Es ist etwas anderes wenn ich sage: “Dafür habe ich Kooperationspartner” oder “ich mache das auch”. Und ob du es für möglich hälst oder nicht; ich habe 4 Leute mit denen ich zusammen arbeite; die im Endeffekt alle Ihre eigenen Verträge und Rechnungsstellungen mit meinen Kunden machen; falls wir Sie benötigen; ich hätte auch noch viele weitere Kontakte, dort könnte ich ebenfalls die ein oder andere Angelegenheit erledigen lassen; ich mach es aber nicht. Warum ? Ich kenn mich zu wenig mit der Materie aus, als das ich nachvollziehen könnte ob alles dem erwarten Standard genügt. Deshalb sag ich auch mal «Nein» das mache ich nicht oder «Nein, da kenne ich niemanden» und weisst du was ? Nein sagen als Freelancer kommt manchmal ziemlich gut ;-)
Dein letztes Beispiel kann ich auch nicht nachvollziehen. Marmelade von Ariel ? Was hat das damit zu tun. Marmelade von Anna Mustermann wäre ein passendes Beispiel und ja, ich würde die Marmelade kaufen.
Cheers, mach weiter so.
Es sei angemerkt das dieser Text nicht abwertend, mit bösem Unterton oder sonst irgendwie verfasst wurde. Sachliche Diskussion. Kommt manchmal nicht so rüber.
Benjamin
Comment left on 5.6.2010 by Benjamin Weigl
Und was ist mit den One Woman Shows??? Hier schnacken grad die Männer unter sich?
;D
Ok, ich gebe zu ich bin einsam & zweisam unterwegs.
Schöner Artikel. Ich beschäftige mich auch viel mit der Authentizität im Netz, d.h. berufiches & privates nicht zu trennen. Dies bleibt natürlich immer eine spannende Herrausforderung.
Ich glaube fast, als Frau eine noch größere Gradwanderung. Ich fand es sehr mutig von dir Sven, als ich sah, dass du sogar deine Privatadresse preisgibst & dort eincheckst. Das würde ich als Frau nicht tun… Geschäftlich ist natürlich was anderes -
also, schöne Grüße aus dem Lehmweg
Comment left on 5.6.2010 by Inken Meyer / meyola
Oh! Ja nee klar, ziehe natürlich meinen Hut ebenfalls vor allen One Women Shows! :-)
Comment left on 5.6.2010 by Sven Wiesner
Ich mache es genauso wie du, Sven. Insofern kann ich nur beipflichten. Dein Blogpost hat mich in meiner eigenen Haltung bestärkt. Vielen Dank!
Comment left on 5.6.2010 by @michaelhein
Gibt es das? Eine One-Man-Show?
Sind wir nicht gerade im Bereich der socialmedia Landschaft mehr oder minder immer miteinander verwebt? Leben und lassen wir leben, nicht gerade durch die Vernetzung?
Meine Agentur: mein-spessart-media betreibe ich bewusst nicht unter meinem privaten Namen – sondern unter einem Kunstbegriff der für die regionale Verbundenheit und einem Wortspielchen gebildet wird.
Auch was die tägliche Arbeit angeht, so ist es nahezu unmöglich alleine, alle Bereiche abzudecken. Vom outsourcen der Programmierarbeit nach Indien oder vom abgeben von Grafikleistungen an Studenten und andere Freelancer ist es gerade im “vermarkten” immer ein geben und nehmen. In so fern sehe ich auch den Freelancer und die “Ein-Mann-Arbeiterbude” als vollständig eingebundenes Objekt in eine weit verzweigte Landschaft aus Kreativen, Verantwortlichen, Machern und Arbeitern.
Der größte Unterschied ist für mich die Trennung von privat und Arbeit. 9-to-5 is not possible – 3-4-5-6-7Days a week – Who cares?
Was zählt ist der Spass und -
das Einkommen.
In diesem Sinne, lasst uns den Montag nutzen…
Comment left on 5.17.2010 by Bjoern Habegger
[...] Zeit, in der ich vom Schreibtisch in der WG bis zum CoWorking-Büro alles mitgemacht habe. Im Mai 2010 habe ich mir dann zum ersten mal laut Gedanken darüber gemacht, wie lang diese One-Man-Show-Geschichte wohl noch gut gehen [...]